Fotografie

Fotografie Tutorial: Die Blende schnell erklärt

Die Blende ist neben der Zeit und dem ISO-Wert das bedeutendste Stellrad, an dem man in der Fotografie drehen kann - Wie das funktioniert erkläre ich hier.

Für alle, die ihre Kamera auf Vollautomatik betreiben wird dieses Kapitel eher weniger von Bedeutung sein. Wer aber aus diesem Modus (die grüne kleine Kamera) raus will oder sich schon immer gefragt hat, wie es sich mit den Blendenzahlen der eigenen Kamera so verhält, der ist hier genau richtig.

Wo sitzt die Blende?
Im Objektiv!

Was macht die Blende eigentlich?
Im Großen und Ganzen tut sie nichts anderes als den Lichteinfall bzw. die einfallende Lichtmenge auf den Sensor eurer Kamera (zu analogen Zeiten auf den Film) zu steuern. Dabei ist die Logik relativ einfach zu verstehen: Ist die Blende weit geöffnet, kommt viel Licht auf den Sensor. Ist die Blende mehr geschlossen, kommt wenig Licht im Kameragehäuse an. Ziel dabei ist, ein richtig belichtetes Bild zu bekommen. Die Blende ist somit nichts anderes als eine Lichtdrossel, mit der wir die Lichtmenge, die durch das Objektiv einfällt, steuern können.

Was ist die Blendenzahl?
Diese gibt an, welche Blende am Objektiv eingestellt ist und ergibt sich aus dem Verhältnis der wirksamen Öffnung der Blende zur Brennweite (Beispiel: wirksame Öffnung 25mm und Brennweite 50mm ergibt ein Verhältnis von 1:2. Die letzte Zahl wird als Blendenzahl bezeichnet). Ein kleine Blendenzahl bedeutet eine große Öffnung der Blende. Wer sein Objektiv nun zur Hand nimmt oder auch auf das Objektiv seiner Kompaktkamera sieht wird irgendwo eine Zahlenkombination finden die in etwa so aussieht: 1:2,8 oder 1:4 oder 1:3,5-5,6. Dabei handelt es sich um die maximale Blendenöffnung, welche die Objektive im Stande sind zu liefern. Die jeweils zweite Zahl ist die Blendenzahl. Betrachten wir jetzt das Objektiv mit der Blendenzahl 2,8 und nehmen wir an, dass es sich dabei um ein 50mm Objektiv handelt, dann beträgt die wirksame Öffnung der Blende 50/2,8=17,86mm. Im Vergleich dazu würde bei einer Blendenzahl von 4 nur ein Wert von 50/4=12,5mm herauskommen. Das Objektiv mit einer Blendenzahl von 2,8 kann somit mehr Licht durchlassen als jenes mit der Zahl 4. Man sagt daher auch, dass das Objektiv mit einer maximalen Blendenöffnung von 1:2,8 lichtstärker ist als jenes mit einer maximalen Öffnung von 1:4. Bei beiden Objektiven kann die Blendenöffnung verkleinert werden, aber nur das erste kann so weit geöffnet werden, dass es doppelt soviel Licht durchlässt wie das zweite. Und hier kommen wir nun zur Blendenreihe, die wie folgt aussieht:

1 / 1,4 / 2 / 2,8 / 4 / 5,6 / 8 / 11 / 16 / 22 / …

Wie auf dieser Liste zu erkennen ist, liegt zwischen 2,8 und 4 genau eine Blendendstufe und die Blendendstufen dieser Reihe sind so genormt, dass die Veränderung um eine Blendenstufe (also z.B.: von 2,8 auf 4 – die Blendenzahl wird erhöht) zu einer Halbierung der einfallenden Lichtmenge führt. Verringert man die Blendenzahl um eine Stufe (z.B.: von 8 auf 5,6), dann verdoppelt sich die einfallende Lichtmenge.

Bokeh vom Feinsten generiert man mit großer Blendenöffnung
Eine kleine Belndenzahl bedeutet eine große Blendenöffnung. In diesem Fall kann viel Licht auf den Sensor treffen. Gleichzeitig ist aber die Schärfentiefe gering.

Wozu brauch ich das?
Gerade wenn man die Kamera manuell bedient (und dabei entstehen nun mal die besseren Fotos), ist es sehr hilfreich zu wissen, wie sehr sich die Veränderung der Blende auf das einfallende Licht auswirkt.
Ich will es an einem Beispiel verdeutlichen:
Angenommen, wir wollen spielende Kinder fotografieren und haben an der Kamera eine Blende von 8 eingestellt. Die Belichtungsmessung der Kamera gibt ihnen dabei eine mögliche Belichtungszeit von 1/50 Sekunde vor. Damit werden Sie spielende Kinder nicht scharf abbilden können. Sie benötigen wahrscheinlich eher Belichtungszeiten von 1/200 Sekunde um die Bewegungen der Kleinen auf dem Bild einfrieren zu können. Sie haben jetzt die Möglichkeit die Blende zu öffnen um auf die gewünschte Belichtungszeit zu kommen. Betrachten wir nun unsere Blendenreihe, so ergibt sich eine Blendenzahl von 4. Bei einer Blendenzahl von 4 und einer Belichtungszeit von 1/200 Sekunde kommt somit die selbe Lichtmenge am Sensor an, wie bei einer Blende 8 mit einer Belichtungszeit von 1/50 Sekunde.

Warum ist nun das lichtstarke Objektiv meist besser?
Ganz einfach, ich bekomme in kurzer Zeit mehr Licht auf meinen Sensor als bei einem lichtschwachen Objektiv. Zudem gibt es noch so angenehme Nebeneffekte wie ein weiches Bokeh, worauf ich aber ein andermal eingehen werde.

Wie merke ich mir die Blendenreihe?
Noch einfacher. Die ersten beiden Werte sind entscheidend: 1 und 1,4 – aus diesen Beiden lässt sich die restliche Reihe durch Verdoppelung der Werte ausrechnen (1 auf 2 / 4 / 8 und 1,4 auf 2,8 / 5,6 / 11 /…).

Große Zahl, kleine Blendenöffnung, wenig Licht
Eine geschlossene Blende geht mit einer hohen Blendenzahl einher und sorgt für einen tieferen Schärfebereich

Wer gerade in die Fotografie einsteigt und sich überlegt ein Kamerasystem mit Wechselobjektiven zuzulegen, dem möchte ich raten, auf das meist mitverkaufte Kitobjektiv zu verzichten. Sie sind oft lichtschwach und lassen sich – falls man es wirklich will – um den halben Preis immer gebraucht erwerben. Ich würde euch hier eher zu einer oder zwei Festbrennweiten raten. Ein Dauerbrenner ist immer das 50mm Objektiv mit einer maximalen Blendenöffnung von 1:1,8 oder auch das 85mm in der selben Lichtstärke. Vor allem das 50mm ist relativ günstig (zumindest bei Nikon und Canon) und bringt mit seiner Lichtstärke und Schärfe wesentlich mehr Fun als ein Kitobjektiv.

Also, probiert es aus und nehmt euch ein bißchen „Zeit fürs Bild“

Euer Ralf

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