Fotografie

Die Belichtungszeit in der Fotografie

Mit der richtigen Belichtungszeit bessere Fotos produzieren

Die Belichtungszeit
Ein paar Basics

Im letzten Blogeintrag ging es um die Blende und wie sie in etwa funktioniert. Für ein richtig belichtetes Foto bedarf es zusätzlich der Abstimmung zwischen besagter Blende und Belichtungszeit. Letzterer möchte ich mich in diesem Beitrag widmen, wobei ich hier nur ein paar Basics (welche aber entscheidend sind) behandeln kann. Gewiss könnte man Bücher darüber schreiben, ich denke aber, die wichtigsten Informationen lassen sich in einem Blogbeitrag kompakt darstellen.

Folgende Fragen sind aus meiner Sicht dabei zu stellen:

Wie wird die Belichtungszeit an der Kamera gesteuert?
Wie wirken sich verschiedene Belichtungszeiten auf mein Bild aus?
Was ist bei den Belichtungszeiten zu beachten?

Wie wird die Belichtungszeit gesteuert?

Kurz gesagt, über den Verschluss der Kamera. Ok, aber was heißt das nun? Ich möchte es mit einem Tor vergleichen. Die meisten Tore haben ein Tür, welche das Tor verschließt. Umgelegt auf unserer Kamera bedeutet das, dass das Tor die Blendenöffnung ist und die Tür unser Verschluss. Erst mit Öffnen des Verschlusses gelangt Licht auf unseren Sensor und ein Bild entsteht. Wie lange Licht reingelassen wird legen wir mit der Öffnungszeit unseres Verschlusses festgelegt. Wir sprechen dann von der Belichtungszeit. Die gewünschte Belichtungszeit wird also über den Verschluss der Kamera gesteuert. Wie weiß ich aber nun, was die richtige oder besser gesagt gewünschte Belichtungszeit ist? Bei neuen Kameras geht das sehr einfach, denn sie haben im Normalfall einen eingebauten Belichtungsmesser. Dieser zeigt im Sucher (wo man durchschaut) oder auf dem Display, ob sich die Belichtung im Minusbereich oder im Plusbereich befindet. Minus bedeutet unser Foto wäre unterbelichtet und Plus das es überbelichtet würde. Richtig belichtet (vereinfacht ausgedrückt) ist das Bild dann, wenn die Anzeige auf 0 und/oder in der Mitte steht. Die folgenden Bilder veranschaulichen, was damit gemeint ist.

Display-Kamera-3554
Unterbelichtung – Belichtungszeit verlängern, Blende öffnen oder ISO erhöhen
Display-Kamera-3557
Überbelichtung – Belichtungszeit verkürzen, Blende schließen oder ISO senken (hier nicht mehr möglich, da 100 der niedrigste ISO-Wert ist). Alternativ kann auch ein Graufilter vor die Linse gegeben werden.
Display-Kamera-3556
Der Belichtungsmesser zeigt 0 an – kein Ausschlag, die Belichtung passt

Wie wirken sich nun verschiedene Belichtungszeiten auf mein Bild aus?
Neben einer ausgewogenen Belichtung hat die Belichtungszeit auch noch andere Funktionen. Mit ihrer Steuerung lassen sich nämlich verschiedene Bildwirkungen erzielen. Während kurze Belichtungszeiten (wobei dies immer relativ ist – z.B.: 1/200 sec.) für ein „einfrieren“ von Bewegungen sorgen, kann es bei langen Belichtungszeiten zu einer sogenannten Bewegungsunschärfe kommen. Beides lässt sich auf der einen Seite kreativ nutzen, kann aber in unpassenden Momenten zu misslungenen Bildern führen.

 

Zwei Beispiele sollen dies verdeutlichen:

Möchte ich die Bewegung eines Hürdenläufers einfrieren und wähle dabei eine Belichtungszeit von rd. 1/50 sec. wird dies zu Bewegungsunschärfen führen, da sich der Läufer dafür zu schnell bewegt. Kürzest mögliche Belichtungszeiten sind hier notwendig. Am besten im 1/1000 sec. Bereich (wofür natürlich wieder genug Licht vorhanden sein muss, aber dazu ein andermal).Wie weit hier mit der Belichtungszeit nach oben gegangen werden könnte muss man ausprobieren und hängt natürlich von der Geschwindigkeit der Bewegung ab.

Kroatien_Rovinj_Juli-2017-7824-1
1/80 Sekunde genügt, um den stehenden Jungen links im Hintergrund scharf abzulichten. Die spazierende Frau ist allerdings bereits unscharf. Noch stärker ist die Bewegungsunschärfe beim Radfahrer zu sehen, der sich am schnellsten von den dreien bewegt.

 

Auf der anderen Seite sind gewünschte Effekte durch lange Belichtungszeiten. Wir alle kennen die Bilder von Landschaften mit kleinen Bachläufen und kleinen Wasserfällen in denen das Wasser weich und nebelartig dargestellt ist. Erreicht wird dieser Effekt durch eine Verlängerung der Belichtunszeit. 1/2 Sekunde reicht oft schon aus, kann aber -je nach Wunsch und Anforderungen- auch ausgedehnt werden. Das die Umwelt dabei nicht unscharf wird liegt daran, dass sich diese nicht bewegt. Siehe dafür das hier eingefügte Bild.

Landschaft_Kriemuehle_August-8822-1
Eine Belichtungszeit von mehr als 3 Minuten sorgte hier für das nebelig wirkende Wasser. Bei dieser Art der Fotografie ist ein Stativ oder eine andere fixe Kameraauflage unverzichtbar.

Was ist jetzt noch zu beachten?
Die Bewegungsunschärfe wurde schon angesprochen. Wenn ich sie nicht in kreativer Form bewusst einsetzen will, dann ist die Belichtungszeit so kurz zu wählen, dass Bewegungen eingefroren werden, damit unsere Motive scharf abgebildet werden können.
Die zweite Unschärfe (und diese wurde noch gar nicht erwähnt) ist aber eine der wesentlichen Ursachen für unscharfe Bilder. Sie entsteht durch Verwackelung des Fotos durch die fotografierende Person und nennt sich folgerichtig „Verwackelungsunschärfe“. Wie kann sie vermieden werden. Hier ein paar Tips:

Die Kamera möglichst ruhig halten (eng am Körper fotografieren)
Die Belichtungszeit so kurz zu wählen, dass sie in etwa 1/Brennweite entspricht (100mm Brennweite = 1/100sec Belichtungszeit). Für hochauflösende Sensoren kann auch das schon zu lange sein. Es hängt aber natürlich auch von der ruhigen Hand der fotografierenden Person ab. Ich gebe hier meist noch 50 Prozent dazu, würde also 1/150sec wählen.
Bei Langzeitbelichtungen ist ein Stativ zu verwenden. Der stabile Standort der Kamera führt zu einem Vermeiden von Verwickelungen unabhängig von der Belichtungszeit (Vorsicht bei Wind).
Moderne Objektive verfügen heute bereits über sehr leistungsfähige Bildstabilisatoren. Diese sorgen für zusätzliche Stabilität und ermöglichen ein fotografieren aus der Hand mit längeren Belichtungszeiten.

Abschließend möchte ich die wesentlichen Punkte, die es zu merken gibt zusammenfassen:

Unterbelichtetes Bild: zu kurze Belichtungszeit
Überbelichtetes Bild: zu lange Belichtungszeit
Verwackeltes Bild: zu lange Belichtungszeit
Bewegungsunschärfe: zu lange Belichtungszeit

Was aber tun, wenn die richtige Belichtung eine längere Zeit erfordert als ich auf Grund des Motivs geben kann? Welche Möglichkeiten gibt es dann?
Dazu von mir drei Denkanstöße:

Geht die Blende noch weiter auf?
Kann ich die Empfindlichkeit des Sensors erhöhen (ISO erhöhen – Vorsicht Rauschen)
Brauche ich zusätzliches Licht (z.B.: durch einen Blitz)

Am Anfang scheint dass, was man sich merken soll ein bißchen viel. Daher ist es wichtig fotografieren zu gehen und dabei den Automatikmodus zu verlassen. An den eigenen Erfolgen und Fehlern kann man analysieren was es zu ändern gilt. Mit der Zeit gehen die Basics dann in Fleisch und Blut über.

Euer Ralph

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