Fotografie

Fotografieren am Durchschnitt

Gibt einem das Wissen über den richtigen Umgang mit der Kamera eine Garantie für ein gutes Bild?

Kann man unter Anwendung aller, einem zur Verfügung stehenden Techniken, immer ein tolles Foto schießen?

Die Antwort ist gar nicht so einfach, denn sie hängt auch von der Tagesverfassung des Fotografen ab. Damit ist jetzt nicht gemeint, wie der Mensch hinter der Kamera mental gerüstet ist (in einer depressiven Stimmung können sicher auch sehr spannende Kunstwerke entstehen), vielmehr geht es darum, ob man seinen Kopf so befreien kann, um die Motive zu entdecken. Vorhanden sind sie immer, es gelingt nur nicht immer sie zu entdecken.

Letztes Wochenende hatte ich diese Erfahrung des „Nichtgelingens“ machen müssen. Ich fuhr nach Vorderstoder um das herrliche Panorama des Toten Gebirges in der Morgensonne zu fotografieren. Laut Wetterbericht sollte es ein herrlicher Tag werden und ich war guter Dinge, dass mir mein Foto gelingen würde. Das kann ich aus heutiger Sicht nicht behaupten. Gründe hat das sicher viele, auf einige möchte ich hier kurz eingehen.

Ich hatte ein zu fixes Bild im Kopf und schon sehr lange einen entsprechenden Plan

Schon seit längerem hatte ich die Absicht mein Bild vom toten Gebirge bei morgendlicher Sonne zu machen. Bei Sonnenuntergang kannte ich den Ausblick von Vorderstoder bereits, da fotografiert man allerdings gegen das Licht. Das kann zwar auch ganz spannende Bilder bringen, ich wollte aber das morgendliche Bild, die Stimmung wenn die Berge in der morgendlichen Sonne erstrahlen. 

Ich hatte eine Idee und ich hatte einen Plan. Beide waren nicht genug durchdacht und konnten daher nicht realisiert werden. Mein Hauptmotiv lag vor mir, aber für den Bildaufbau fehlte mir die Idee. Normalerweise hätte ich in dieser Situation den Plan verwerfen müssen und mit dem arbeiten was da ist. Allerdings konnte ich das an diesem Tag nicht – ich war zu fixiert auf die vor mir liegenden Berge. Aus diesem Grund hatte ich kein Auge für andere Schönheiten, die sich mir boten.

Alter Pferdewagen zum Holztransport
Die Alternativen waren da, ich habe sie allerdings nur lieblos wahrgenommen

Was ich damit sagen will, fixiert euch nicht zu sehr auf euer Hauptmotiv, wenn ihr die Gegend nur mangelhaft kennt und ihr nicht über eine fertige Bildidee verfügt. Lasst in euren Plänen Platz für Alternativkonzepte. Wenn A nicht funktionieren will, verwerft es und haltet nicht starr daran fest. Ich hätte das in Vorderstoder tun sollen, denn die Möglichkeiten waren da.

Das Licht bzw. Der Himmel waren einfach zu perfekt blau

Das ist natürlich immer Glücksache. Aber ich hätte eine Möglichkeit gehabt das zu beeinflussen. Früher aufstehen. Während des Sonnenaufganges, wenn die Berge rötlich erleuchtet werden, dann spielt der Himmel nur mehr die zweite Geige. Der Kontrast zwischen orange-rötlichen Bergen und dem sanften Blau des Morgens wäre Spannung genug um ein gutes Bild zu erzeugen. Zugegeben, ein paar Wolken in der richtigen Position würden das Ganze dann noch perfektionieren, aber man kann schließlich nicht alles haben.

Berge mit blauem Himmel
Keine Wolke und dazu die schneelosen Bäume – netter Schnappschuss, mehr aber nicht

Ich kannte die Gegend nur sehr oberflächlich und daher war es mir nicht möglich einen geeigneten Standpunkt zu finden

Bestimmt gab es an diesem Tag in Vorderstoder einen Platz an dem interessante Bilder möglich gewesen wären. Bloß ich kannte ihn nicht. Eine alter Bauernhof, ein verfallener Holzstadel, ein in richtiger Richtung verlaufender Weidezaun, das alles hätte einen Vordergrund für das Bild bedeuten können. Ich fand ihn bloß nicht, bzw. ich war an diesem Tag nicht bereit ihn zu entdecken.

Heißt für mich und das möchte ich euch auch als Tipp mitgeben: Locationscouting und Recherche sind unbedingt von Nöten. Das kann vor Ort passieren oder einfach über das Internet. Google, Instagram und Co. bieten ja unendliche Möglichkeiten an Informationen ranzukommen.

Das Tauwetter hatte die Bäume zu unattraktiven Mitspielern gemacht

Bäume ohne Blätter sind witzlos. Bäume ohne Blätter, die  durch Tauwetter gerade vom Schnee befreit wurden sind als Vordergrund absolut ungeeignet. So ein Motiv kann in einer dicken Nebelsuppe funktionieren, bei meinem Vorhaben an diesem sonnigen Tag aber nicht.

Spitzmauer mit tiefblauem Himmel
Die Spitzmauer im Toten Gebirge in Oberösterreich – leider konnten ich die Bäume nicht zu einer attraktiven Kooperation bewegen

Diese vier Gründe waren wesentlich für einen Fotoausflug ohne berauschende Ergebnisse. Würde ich es deswegen als Misserfolg betrachten. Nur bedingt, denn alleine, dass ich mir darüber Gedanken gemacht habe, gibt mir das Gefühl etwas gelernt zu haben. Gelernt um in Zukunft besser gerüstet zu sein, wenn Pläne nicht passen oder wenn Motive nicht so wollen wie ich.

Ich wünsche euch noch einen schönen Tag

Ralph

4 Kommentare

  1. Moin, ich finde die Bilder trotzdem gelungen. Aber ich kenne deine Lage an dem Tag zu gut. Manchmal will es einfach nicht klappen. Beim nächsten Mal wirst du wieder mehr Glück haben ;o) Viele Grüße

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