Fotografie Wanderungen

Auf den Spuren der Druiden

Wilde Wasser und tiefe Wälder prägen das Waldviertel. Die Ysperklamm und der Druidenweg sind in dieser Region Österreichs ein besonderes Highlight.

Tolle Landschaften, tiefe Wälder und rauschende Wasserfälle, das alles bietet der nördliche Teil Österreichs dem entdeckerfreudigen Wanderer. Ein besonderes Schmankerl ist aber im Waldviertel die Ysperklamm und mit ihr verbunden der Druidenweg. Auf einer meiner letzten Wandertouren hat es mich in die Wälder unserer keltischen Vorfahren gezogen und ich durfte dabei mystische Orte und eine wunderbare Natur entdecken.

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Traumhafte Wasserläufe in der Ysperklamm laden ein…

Eigentlich ist die Landschaft des nördlichen Österreichs für mich nicht wirklich eine überraschende Schönheit, komme ich doch selbst aus dem unteren Mühlviertel und schätze die sanften Hügel und die wasserreichen Wälder meiner Heimat sehr. Natürlich gibt es nicht diese spektakulären Gipfel wie im Toten Gebirge oder im Nationalpark Gesäuse, aber es gibt etwas anderes. Es gibt diese Wälder, die noch etwas Urtümliches haben. Im Süden durch den mächtigen Donaustrom begrenzt bieten sowohl das oberösterreichische Mühl- als auch das niederösterreichische Waldviertel abwechslungsreiche Landschaften, die zum Wandern einladen. 

Während in den niederen Höhen die bäuerliche Nutzung die Landschaft prägt, nimmt mit zunehmender Seehöhe der Waldbewuchs und somit auch das urtümliche zu. Nähert man sich der Ysperklamm von der Donau her, so kann man bereits die Weinstöcke der Wachau erahnen, bevor man weiter zu den Wäldern und Wassern im Norden fährt. Rasch erreicht man die Gemeinde Yspertal, von der es nur noch wenige Fahrminuten bis zum Parkplatz am Eingang der Klamm sind. Dort angekommen gilt es neuerdings ein Ticket für Euro 3,50 zu lösen (Kinder bis 6 Jahre frei, Jugendliche bis 15 Jahre Euro 2,50) was ich in Ordnung finde, da die Wege wirklich sehr gut in Schuss gehalten sind. Zudem befindet sich neuerdings eine Infostation am Parkplatz, die sehr anspruchsvoll gestaltet ist und für die ankommenden Wanderer eine gute Ausgangsbasis bildet.

Hat man schließlich den Eingangsschranken passiert, geht es auch schon in den Wald und man vernimmt zum ersten Mal die eindrucksvolle Geräuschkulisse der herunterrauschenden Ysper. Eindrucksvolle Wasserfälle und bezaubernde Kaskaden begleiten von nun an unseren Weg. Über hölzerne Stege und Stiegen geht es stetig hinauf vorbei an unzähligen fotogenen Motiven. Keine Frage, für Outdoorfotografen ist diese Klamm ein Paradies und ein Fluch zugleich. Paradies ob der Möglichkeiten und Fluch… ja eigentlich auch ob der Möglichkeiten. An dieser Stelle soll auch gar nicht zu viel über die einzelnen schönen Punkte verraten werden, nur so viel, es sind deren viele und es bedarf eines gewissen Mutes zur Lücke um am Ende mit guten Bildern nach Hause zu wandern. Moosbewachsene Steine und abgestorbene nasse Baumstämme bilden die Einrichtung dieses wassergewaltigen Naturschauspiels. Wer nur die Klamm durchwandern will muss mit 1,5 bis 2 Stunden Wanderzeit rechnen. Nicht dabei, diverse längere Halts fürs fotografische Schaffen.

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… zum entdecken und verweilen.

Während der Wanderung steigt man von 551m Seehöhe hinauf bis auf rd. 820m. Den Rückweg macht man dann entweder nochmals durch die Klamm oder durch einen sanfteren Forstweg, der dafür einen wunderschönen Aussichtspunkt auf das umliegende Waldviertel bietet. Wer jedoch mehr sehen und die Wälder der Druiden erkunden will, der hat noch ein gutes Stück Weg vor sich. 

Wir machen uns also von der „Bergstation“ der Ysperklamm weiter auf den Weg nach oben um den Druidenweg zu entdecken. Der Weg wird nun weniger spektakulär, dafür aber ruhiger und entspannter. Fühlte man sich in der Klamm auf Grund der vielen eindrucksvollen Ausblicke ein bisschen von der Schönheit erschlagen, kann man nun die Ruhe und die friedliche Stimmung des Waldes auf sich wirken lassen. 

Wir wandern weiter und bewegen uns so langsam auf die rituellen Stätten längst vergangener Zeiten entgegen. Nach und nach bekommen wir ein Gefühl dafür wie sich hier vor tausenden Jahren das  Leben abgespielt haben mag. Verbunden mit der Natur und ehrfurchtsvoll vor den alten Göttern der Kelten, allen voran Mutter Erde. Langsam aber stetig nähern wir uns dem zentralen Ort unserer Wanderung dem Druidentreffpunkt auf 960m Seehöhe. Wenn man so wie ich bei wechselhaftem Wetter und bald am Morgen seine Wanderung startet, dann kann man diesen magischen Platz alleine genießen, einzig gestört von den Geräuschen der Natur. Man betritt nun zuerst den äußeren und dann den inneren Kreis dieses heiligen Ortes – in der Mitte der große Stein mit seinem Sitz für den Hohepriester.

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Die tiefen Wälder des Waldviertels waren die Heimat keltischer Druiden

Ich lege mein Gepäck ab und beginne zwischen den Steinen herumzustreifen. Eine leichte Brise lässt die dunklen Wolken schnell über die Wipfel der Bäume ziehen und gelegentlich erfrischt mich ein kurzer Schauer. Ich halte inne, setze mich, lausche der Musik des Waldes und fühle wie sich meine Kräfte zu sammeln beginnen. Vergessen die Hektik des Alltags, vergessen die Probleme der Welt, einfach eins sein mit den Bäumen, den Steinen und dem Wind. Eins sein mit der Natur, wo wenn nicht an diesem Ort könnte man das besser tun. Nach einer halben Stunde des Verweilens entschließe ich mich den Rückweg anzutreten. 

Noch immer tief beeindruckt von der Stimmung an diesem heiligen Ort der Druiden wandere ich vorbei an alten Wohnhöhlen in Richtung Tal. Ich betrete nach rund 15 Minuten Gehzeit den sogenannten heiligen Bezirk, einer weiteren rituellen Stätte keltischer Druiden. Wieder gibt es Steine, die kreisförmig angeordnet sind, wieder gibt Geschichten und Mythen. Beeindruckt von den Steinen und von der Aussicht stelle ich mir vor wie das Leben vor tausenden von Jahren hier gewesen sein muss. Menschen, die dieser rauen Natur trotzten, die sich in den tiefen Laubwäldern zurechtfanden und mit allen Gefahren des damaligen Lebens zu Recht kommen mussten. Menschen, die Wölfe, Bären, Luchse und viele andere Waldbewohner zu ihren natürlichen Nachbarn zählten und sich dabei den Göttern ihrer Ahnen anvertrauten. Göttern, deren Sitz der große Berg in der Ferne war, ein Berg, der uns heute unter dem Namen Östscher bekannt ist.

Ich steige auf einen Fels und versuche mir vorzustellen, wie es gewesen sein mag, damals vor tausenden von Jahren. Ich blicke ins Tal, mustere die Felder und die zersiedelte Landschaft und vor meinem geistigen Auge wachsen die urtümlichen Wälder längst vergangener Zeiten empor aus den Feldern des neuzeitlichen Waldviertels. Was für ein Anblick muss das gewesen sein, was für Geschichten mussten diese Wälder in sich verborgen haben. Ich verweile noch für kurze Zeit in meiner Fantasiewelt, löse mich langsam und verlasse den heiligen Bezirk in Richtung Tal.

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Sanft, das ist es was die Landschaft um diese Jahreszeit beschreibt.

Steil geht der Weg abwärts und ein kurzer Zwischenstopp beim Kaltenberger Kreuz ermöglicht mir noch einmal einen wunderschönen Ausblick auf das Tal der Ysper. Die Wolken und die teilweise durchblinzelnde Sonne zaubern ein farbenfrohes Schattenspiel auf die grünen Felder des Tales und ich mache ein letztes Foto. Dann geht es zurück zum Parkplatz. Ein letzter Blick hinauf auf die Felsformationen des Druidenweges und schon sitze ich wieder in meinem Auto und verlasse die Ysperklamm in Richtung Süden.

 

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