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Landschaften im Regen

Bei Regen draußen fotografieren? Viele schreckt es ab, wenn sie an die nasse Kleidung, die Gefährdung des Equipments und die fest sitzende Kälte in den Knochen denken, ich aber sage euch – tut es.

Oft erinnere ich mich an meine Kindheit zurück. Die Zeit als wir nur draußen waren. Ganz egal ob die Sonne schien, des geschneit oder geregnet hat, für uns gab es nur den Wald, die Natur und jede Menge Blödheiten. Wenn ich dann gegen meinen inneren Schweinehund ankämpfe und darüber nachdenke, ob ich nun bei regnerischem Wetter rausgehen sollte oder nicht, helfen mir solche Erinnerungen bei meinen Entscheidungen. Ich schnapp mir dann mein Zeug steck mich in wetterfeste Kleidung und gehe oder fahre an einen mir bekannten Fotospot.

So machte ich es diese Woche im Tanner Moor im nordöstlichen Mühlviertel. Im Winter war ich bereits mehrmals vor Ort und erkundete diese Moorlandschaft bei Eis und Schnee mit meinen Schneeschuhen. Jetzt hatte ich aber ein anderes Ziel – Landschaftsfotografie bei Regen und was kann es da besseres geben, als eine mystische Moorlandschaft mit ihren sanften Gräsern und ihren verwinkelten Wegen.

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Der Moorsee im Tanner Moor hat fast schwarzes Wasser und unterstreicht die unberührte Stimmung

Ich machte mich also auf den Weg und brachte ein wenig Equipment zum Filmen und meine Nikon D750 (Amazon Link) mit 2 Objektiven mit. 35mm für jede Gelegenheit und 135mm für die Objekte, die ich gerne von Störern in der Umwelt isolieren wollte. Beide Objektive älterer Bauart und beide sicher nicht gegen Starkregen geschützt. Es galt also ein bißchen vorsichtig zu sein. Aber was Solls, ein wenig Regen muss das Zeug schon aushalten können – was es auch tat.

Regenwetter hat ein paar Vorteile in der Landschaftsfotografie, die man nicht unterschätzen sollte. Zunächst einmal wirken die Farben der nassen Natur wesentlich gesättigter, wenn man nah dran ist. Die großen Landschaftsszenen hingegen wirken bei fahlem Licht eher entsteigt. Durchaus ein Gegensatz, aber wenn man ihn zu nutzen weiß, dann kann das schöne Bilder mit sich bringen. Während man also die weiten Bilder eher mystisch und „gespenstisch“ anlegen kann werden die Nahaufnahmen zu wahren Dynamik und Sättigungsexplosionen.

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Sanfte Gräser, sanfte Landschaft, sanftes Licht

Flat Lay Fotografie ist auch so eine Möglichkeit. Aus der Vogelperspektive gerade in Richtung Boden fotografiert, erhält man zwar keine großartige Tiefe, aber die Muster und die Farben der Natur bieten einen ebenbürtigen Ersatz.

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Wurzeln und Moose erstrahlen wenn sie nass sind in gesättigten Farben

Bleibt noch die Stimmung. Ich will mal versuchen in zwei bis drei Sätzen darzustellen, wie es sich anfühlt wieder zwölf und einfach draußen zu sein. Man steht im Hochmoor und hat die Kapuze über seinen Kopf in sein Gesicht gezogen. Der Regen verursacht ein langsames dumpfes und leises Trommeln auf dem wasserfesten Stoff der Jacke und den Wind nimmt man als sanften Druck am Oberkörper und an den Beinen wahr. Es ist ruhig, sehr ruhig. Lediglich die Natur macht ihre Musik und begleitet uns bei einer entspannenden Wanderung durch die Landschaft – nur unterbrochen vom Auslösegeräusch meiner Kamera.

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Einsam sind die Wanderwege wenn es nass ist – zum genießen…

Rausgehen, bei jedem Wetter ist also möglich. Ich sage nicht, dass es immer notwendig ist, aber die Natur und die Landschaften offenbaren bei verschiedenen Wetterbedingungen ihre Schönheit immer auf unterschiedliche Weise.

Es gibt also kein schlechtes Wetter, es gibt nur den inneren Schweinehund, den es zu überwinden gilt, dann stehen den kleinen Abenteuern nichts mehr im Weg.

Viel Freude am schlechten Wetter

Euer Ralph

2 Kommentare

  1. Das Nasswerden hat sich gelohnt!! Die Bilder sind wirklich ausdrucksstark. Lieben Gruß aus Athen, wo es seit Wochen nun endlich mal wieder geregnet hat. Jetzt bin ich angefixt im Nassen zu Fotografieren..

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    1. Servus Athenmosaik und gleich mal Sorry für meine späte Antwort,

      ich habe noch nicht wirklich am Radar, dass hier Leute kommentieren – freut mich daher umso mehr und ich muss das wohl in meine Routinen einbauen.
      Letztens wurde ich nass aber zur Zeit haben wir hier richtig schönen goldenen Herbst mit Nebel am Morgen und in den Niederungen (vor allem an der Donau) aber strahlenden Sonnenschein und bunten Wäldern auf den Hügeln und Bergen.

      Ich kann mir vorstellen, dass man in Athen durchaus froh ist, wenn der Regen mal die Luft ein bißchen reinigt.
      Ich wünsch dir noch einen schönen Tag
      LG
      Ralph

      Gefällt 1 Person

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