Stimmungen und Gegenlicht in der Landschaftsfotografie

Landschaftsfotografie hat sehr viel mit Stimmungen zu tun. Unsere eigene trifft dann auf jene, welche die Natur für uns vorgesehen hat. Langsam nähern sich dann - beispielsweise während einer Wanderung - beide einander an. Die Natur ändert unser Empfinden und das kann sowohl positiv als auch negativ sein. Ich will mal versuchen es zu erklären. 

Wenn wir an einem sonnigen, einem verregneten oder an einem windigen und wolkenverhangenen Tag durch die Natur wandern, dann löst das in uns Emotionen aus. Wir fühlen uns anders als in den eigenen vier Wänden. Dies können Gefühle der Freiheit sein, es können Gefühle der Freude sein, es können aber auch Gefühle der Angst sein, wenn wir uns beispielsweise vor einem heraufziehenden Gewitter in Sicherheit bringen wollen. Aber egal was, es löst in uns einen Zustand aus, der sich unterscheidet von jenem den wir zu Hause hatten. 

Ein bewölkter Himmel sorgt für andere Stimmung als ein Sonnenuntergang. Beides hat seine Schönheit, wird aber von unserem Gehirn anders eingeordnet.

Ein bewölkter Himmel sorgt für andere Stimmung als ein Sonnenuntergang. Beides hat seine Schönheit, wird aber von unserem Gehirn anders eingeordnet.

Die Herausforderung in der Landschaftsfotografie wird somit um einen ganz wichtigen Aspekt erweitert. Wir als Landschaftsfotografierende sind vor Ort emotional nicht objektiv und das sollten wir bei der Fotografie unserer Bilder berücksichtigen. Unser Hirn spielt uns dabei einen Streich. Ich will versuchen es zu erklären.

Während wir an einem schönen Sommerabend die untergehende Sonne betrachten und die wundervollen warmen Farben auf den Feldern oder Berghängen bestaunen, blenden wir die mitten durchs Motiv gehende Stromleitung oder elektrifizierten und nicht gerade attraktiven Weidezäune unbewusst aus. Wir sind von der Schönheit verzaubert, unsere Kamera ist dies aber nicht. Diesen Umstand gilt es zu beachten, wenn man mit Bildern nach Hause gehen will, die auch 2 Wochen später noch in einem das Gefühl auslösen sollen, welches man an diesem Tag, zu dieser Zeit, an diesem Ort hatte. 

Die Burg auf dem Felsen ist ein wunderschönes Motiv. Allerdings sollt man sich auch Gedanke darüber machen, wie man die störende Stromleitung und das mobile WC links unten weg bekommt.

Die Burg auf dem Felsen ist ein wunderschönes Motiv. Allerdings sollt man sich auch Gedanke darüber machen, wie man die störende Stromleitung und das mobile WC links unten weg bekommt.

Ein wichtiger Aspekt dabei ist die passende Belichtung zu finden. Ein ausgebrannter Himmel kann die Wirkung eines Bildes grundlegend zerstören. Zu starke Unterbelichtung birgt das Risiko in sich, dass in den Tiefen keine oder nur mehr ungenügend Bildinformationen stecken.

Im Normalfall ist die richtige Belichtung in der Landschaftsfotografie nicht so schwer zu finden, wenn man aber bei Gegenlicht im Wald fotografiert, dann kann das schnell mal zur Herausforderung werden. Früher hat man versucht sich hier mit einer Belichtungsreihe auszuhelfen. Heute kann man an diese Aufgabe ein wenig enspannter rangehen. Zum Glück sind die Sensoren der neuen Kameras mittlerweile so stark, dass es kein Problem ist bei Gegenlicht auf die hellen Stellen zu belichten und aus den Tiefen noch die nötigen Bildinformationen zu holen. Aber Achtung, auch neue Sensoren haben ihre Grenzen.

Hier wurde auf die hellen Stellen im Himmel belichtet. Die Sonnen selbst wird wahrscheinlich immer ausgefressen sein, das stört aber nicht, da dies auch unseren normalen Sehgewohnheiten entspricht.

Hier wurde auf die hellen Stellen im Himmel belichtet. Die Sonnen selbst wird wahrscheinlich immer ausgefressen sein, das stört aber nicht, da dies auch unseren normalen Sehgewohnheiten entspricht.

Es geht also aus meiner Sicht eher in die Richtung der Unterbelichtung und da bin ich auch schon bei einem nächsten Punkt, der mir hier wichtig erscheint, den ich auch oben bereits angedeutet habe. Die störenden Elemente berücksichtigen. Gerade bei Gegenlicht kann es schwierig sein, diese überhaupt zu entdecken. Wir und die Kamera sind geblendet von der Sonne und das farbenfrohe Absperrband verbirgt sich still und leise in den Tiefen des Dynamikumfangs unserer Szene. Also darauf besonders achten. Deckt die Sonne ab und untersucht euer Motiv bevor ihr euren endgültigen Bildaufbau wählt. 

Hat man dann an alle wichtigen Einflussfaktoren auf sein Bild gedacht, kann es ans Fotografieren gehen. Egal, ob wir den Sonnenuntergang am Meer fotografieren oder die tief stehende Sonne im Wald als Backlight nutzen - Motive gibt es überall und die Regeln der Fotografie sind im Normalfall die selben. Für die Wolkenkratzer großer Metropolen gilt das selbe wie für den mächtigen Baum im Wald. Bei Gegenlicht können sie uns ein tolles Motiv bieten, sie stellen uns aber auch vor die oben angesprochenen Herausforderungen.

Ob große gewachsene Bäume wie hier oder Wolkenkratzer in New York City - die Fotografie bei Gegenlicht bedarf ähnlicher Herangehensweisen.

Ob große gewachsene Bäume wie hier oder Wolkenkratzer in New York City - die Fotografie bei Gegenlicht bedarf ähnlicher Herangehensweisen.

Besonders der Wald bietet am Abend, wenn die Sonne untergeht ein bezauberndes Licht- und Farbenspiel, welches eine traumhafte Stimmung erzeugt. Während auf der einen Seite die Sonnenstrahlen zwischen den Stämmen und Ästen der wild gewachsenen Bäume durchschimmern tauchen sie auf der anderen Seite andere Stämme in eine warmes natürliches Licht. Das selbe könnt ihr auch in besiedelten Gegenden oder eben auch in großen Städten beobachten. Natürlich sind die Motive grundverschieden, die Gesetzmäßigkeiten des Lichtes sind es aber nicht.

Die mystische Stimmung, welche die tief stehende Sonne erzeugen kann dauert oft nur wenige Minuten - nutzt sie.

Die mystische Stimmung, welche die tief stehende Sonne erzeugen kann dauert oft nur wenige Minuten - nutzt sie.

Alles in Allem ist Fotografieren bei Gegenlicht ein wundervolle Möglichkeit Bilder mit dem gewissen WOW-Effekt zu erzeugen. Es sollte aber wie überall auch nicht übertrieben werden. Nach dem zehnten Bild mit Gegenlicht, darf es dann ruhig auch wieder mal eine schöne Aufnahme zu blauen Stunde sein. Das gute daran, die kommt im Normalfall gleich im Anschluss.

Ralph Punkenhofer

21.06.2020

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